15.02. – 16.04.2024
15.02. – 16.04.2024
Femizide hinterlassen Lücken, Ohnmachtsgefühle und Sprachlosigkeit. Aber es entsteht noch etwas in uns. Die Risse sind da. Sie bleiben. Aber in den Rissen tut sich was. MEHR

Daniela Trinkl und Rachel J. Müller spüren diesem Etwas nach, das sich neben Schmerz, Angst und Bewusstsein für Gefahr - aber auch Wut - eingenistet hat. In der Begegnung von Skulptur und Sprache schaffen sie Raum für dieses Dazwischen. Es entwickelt eine Kraft, es breitet sich aus, es spendet wie ein Talisman Trost und vor allem Mut. Die Künstlerinnen schaffen im Dialog von Objekt und Sound ein Spiel mit Kontrast und Dynamik, zeigen, dass zwischen den Rissen ein Nährboden entsteht für Wehrhaftigkeit, Solidarität und Empowerment.

Die Wandskulptur Phalynx zeigt eine fiktive, mythologische Gestalt, die aus der Idee einer wehrhaften Natur heraus entstanden ist. Durch den rücksichtlosen Umgang der Menschheit mit seiner Umwelt innerhalb eines patriarchalen Machtsystems hat die Evolution Lebewesen hervorgebracht, die zurückschlagen. Der Titel stammt vom medizinischen Begriff Pharynx (zu dt. Schlund) und wurde leicht modifiziert. Die Assoziation mit einer Vagina Dentata verstärkt den Blick auf den Kampf gegen die männlich geprägte Unterjochung der Natur

Das Hörstück, von dem ein Ausschnitt in der Ausstellung zu hören ist, basiert auf Rachel J. Müllers Bühnenstück "TABAK oder warum Sie mit dem Frauen morden aufhören sollten" und wurde von der Autorin in Kooperation mit der Komponistin Marion Ludwig erarbeitet.

Daniela Trinkl: Phalynx (2022) | Polyurethanschaum, Polymorph Kunststoff, Styropor | 88 x 57 x 20 cm

Rachel J. Müller: deine hände sind offen (Ausschnitt)|Stimmen: Nele Christoph, Christine Tielkes, Rachel J. Müller | Sound: Marion Ludwig | Regie: Rachel J. Müller | Aufnahme: Moritz Rauter, Wien | 2024

Foto: "Phalynx" (Detail) von Daniela Trinkl (c) Joanna Pianka

 WENIGER
Daniela Trinkl & Rachel J. Müller

DANIELA TRINKL studierte Kunstgeschichte an der Universität Wien und Plastische Konzeptionen an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz bei Prof. Frank Louis. Bisher zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland: Red Carpet Showroom Volkstheater und Altes Landgut, Wien (2023), Offenes Kulturhaus Oberwart (2023), Parallel Vienna (2022), Salzkammergut Festwochen Gmunden (2022) sowie House of losing control/Vienna Art Week (2021). Sie erhielt verschiedene Stipendien und Residencies, u.a. Reisestipendium des BKA Österreich, Die KUNSTsammlung des Landes OÖ, Linz (2019) sowie PILOTENKUECHE Leipzig (2019). Trinkl lebt und arbeitet in Wien.

RACHEL J. MÜLLER studierte Medienwissenschaften, Ökonomie und Soziologie in Köln und Istanbul. 2021 schloss sie ihr Regiestudium am Max Reinhardt Seminar ab. Sie arbeitet als Autorin und Regisseurin in Wien und beschäftigt sich hauptsächlich mit patriarchalen Machtstrukturen in ihren verschiedenen Ausprägungen. Dabei sucht sie nach Erzähl-Formen, die einer bloßen Reproduktion entkommen, andere Realitäten imaginieren und Gewalt als Teil eines Systems erkennbar machen, welches veränderbar ist.

MARION LUDWIG erschafft seit 2019 die 2 autonomen Alter Egos Nella Lenoir (Synth-Pop, 2019) und RIO OBSKUR (performativer Cold-Wave, 2023). Bisher 3 Alben, 3 EPs, sowie diverse Auftritte in D, Ö und Portugal - mit Nella Lenoir u.a. als Supporting Act von Molly Nilsson zu sehen, als RIO OBSKUR beim steirischerherbst. Im Oktober 2022 debütierte sie als Komponistin & Sound Designerin am Theater in Berlin, seit 2023 komponiert sie zudem Sound für Film.

Sabine Groschup
Sabine Groschup
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